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Abgesehen von einigen wenigen staatlichen
Feiertagen (z.B. Unabhängigkeitstag) haben fast alle Festereignisse in
Bali einen religiösen Hintergrund. Man kann die Ereignisse grob in
Tempelfeste und Familienfeiern aufteilen.
Erwähnenswert ist, dass die Tempel
normalerweise nicht geschmückt sind sondern erst zur Zeremonie
farbenprächtig ausgestattet werden. Die Opfergaben sind sehr
kostspielig und in letzter Zeit fallen sie bei ärmeren
Dorfbewohnern bescheidener aus. Glücklicherweise dürfen die Gaben,
die meist aus Reiskuchen, gegrillten Hühnern und Obst bestehen, nachdem
sie im Tempel gesegnet worden sind, zu Hause gemeinsam verspeist
werden.
Zu den wichtigsten Tempelfesten zählen
: Odalan, Galungan, Kuningan und Nyepi.
Odalan
ist der Jahrestag der Einweihung eines Tempels und wird alle 210
Tage (ein Bali-Jahr) gefeiert. Da es in Bali unzählige Tempel gibt,
reißt die Kette der Odalans nicht ab. Den ganzen Tag bis in den frühen
Morgen werden Opfergaben in den Tempel getragen , von den Dorfpriestern
gesegnet und später nach Hause gebracht, um dort verzehrt zu
werden. Meist findet ein Hahnenkampf statt.
Galungan wird ebenfalls alle 210 Tage gefeiert
und gilt als das aufwendigste Tempelfest. Es dauert länger als eine Woche
und endet mit Kuningan . Anlaß für diese Feiertage bildet ein
historischer Hintergrund , die Niederlage eines Despoten aus dem 3.
Jahrhundert. König Maya Danawa hatte seinen Untertanen die Anbetung
der Götter und Ahnen verboten, das Volk erhob sich und besiegte ihn nach
blutigen Kämpfen.
An Galungan steigt der höchste Gott Sang
Hyang Widi mit anderen Gottheiten und den Ahnen in die irdischen Tempel
hinab , wo sie gefeiert werden, delektieren sich an den ihnen
dargebrachten Opfergaben und kehren nach 10 Tagen, an Kuningan, wieder in
den Himmel zurück. Überall sind längs der Strassen geschmückte
Bambusstangen ( Penjor ) aufgestellt und Palmblattgeflechte (Lamaks
) hängen vor jedem Haus.. Der schönste Penjor wird prämiert. Schweine,
Gänse, Enten und Hühner werden geschlachtet, unzählige Opfergaben aus
Reiskuchen und Früchten werden hergestellt, Gebete werden gesprochen und
die Gläubigen werden mit heiligem Wasser gesegnet. Ein umfangreiches
kulturelles Programm ( Schattenspiele, Masken-Tänze, Hahnenkampf ) rundet
die Feiertage ab.
Im Jahr 2010 findet Galungan am
12.5 und am 08.12. statt, Kuningan fällt auf den 22.5. sowie 18.12.
Nyepi ist das balinesische Neujahrsfest und
fällt auf die Frühjahrs-Tag- und Nachtgleiche. An diesem Tag
herrscht Stille, der Straßenverkehr ruht und es wird nicht gearbeitet . Feuer dürfen nicht entfacht werden und man darf das
Haus nicht verlassen. Am Tage vor Nyepi (Tawur Agung Kesanga) werden den Geistern der Unterwelt
umfangreiche Opfergaben dargebracht. Man legt sie auf magische Orte,
an denen die Dämonen mit Vorliebe ihr Unwesen treiben, d.h. auf
Wegekreuzungen und Friedhöfe. Durch die Opfergaben werden die
Geister hervorgelockt und dann durch den Lärm , den die Balinesen mit
Gongs, Rasseln und Trommeln erzeugen, verjagt. In den Dörfern und
Städten werden
große Dämonenfiguren, die "ogoh ogoh" von Kindern und
Jugendlichen hergestellt. Diese Figuren werden am Abend vor Nyepi in einem
Umzug durchs Dorf geführt und anschließend auf dem Dorfplatz verbrannt.
Die künstlerisch wertvollen und prächtigen Figuren ,besonders in
Denpasar, werden nicht verbrannt sondern für die kommenden Umzüge
aufbewahrt, da sie sehr teuer sind.
Nyepi ist im Jahr
2010 am 16. März
Weitere Feste gelten bestimmten Tagen:
Saraswati: der Göttin der Wissenschaft,
Literatur und Kunst werden Opfer dargebracht. An diesem Feiertag sollte
weder gelesen noch geschrieben werden. Besonders Priester segnen ihre
Schriften.
Termine für
2010 : 27.2 und 25.9.
Tumpek Landep:
Die Segnung aller Gegenstände aus
Metall ( Waffen, Autos, Motorräder etc. )
Am 13.3.10
und am 09.10.10 wird Tumpek Landep
gefeiert.
Pagerwesi: Man huldigt dem Gott des Universums
Sang Hyang Pramesti Guru und bittet um starke mentale Abwehr gegen
negative Versuchungen. Dies geschieht am 3.3. und 29.9.
Tumpek Kandang: der Tag der Haustiere. Findet
am 02.01.10 und am 31.07.10 statt
Die Familienfeiern setzen sich aus Zeremonien
um das Kind, Zahnfeilung, Hochzeitszeremonie und der
Leichenverbrennung zusammen.
Bereits vor der Geburt wird eine erste
Reinigungszeremonie durchgeführt . Die schwangere Frau gilt
jedoch kultisch als unrein und darf die Tempel nicht betreten. Nach
der Geburt findet eine spezielle Zeremonie statt. Die vier
Geschwister ( Kanda Empat) , d.h. Plazenta, Nabelschnur,
Fruchtwasser und Blut, werden in eine Kokosnussschale getan und dann
vergraben. Am 12. Tag erhält das Neugeborene einen vorläufigen
Namen, der am 105.Tag wieder geändert wird. Nach 210 Tagen (einem
Bali-Jahr ) wird dem Kind der Kopf geschoren und dem Kindergott Rare
Kumara wird ein letztes Opfer dargebracht. Die folgenden Geburtstage
werden, anders als bei uns, nicht besonders beachtet. Alte Balinesen
wissen teilweise gar nicht ihren genauen Geburtstag.
Die Zahnfeilungszeremonie (
Metatah ) sollte möglichst vor der Hochzeit durchgeführt werden
und ist für die Balinesen sehr wichtig. Durch einen Priester werden
die sechs oberen Vorderzähne angeglichen, indem man die
Schneidezähne feilt. Hintergrund ist die Vorstellung, dass sich der
Mensch durch gleichlange Zähne vom Tier unterscheidet. Durch diese
Zeremonie wird der Balinese rituell von tierischen Begierden ,
Wollust, Wut, Raffgier und Neid befreit. Fortan besitzt man die
Reife eines Erwachsenen.

In den letzten Jahren kann man
feststellen, dass diese Zeremonie, da sehr kostspielig, auch erst
nach der Hochzeit durchgeführt wird. Oft wartet man auch aus
Kostengründen einen günstigen Zeitpunkt ab, um möglichst alle
Kinder der Familie ( auch Neffen, Nichten etc. ) gemeinsam dieser
Zeremonie zu unterziehen.
Auch die Hochzeit ist einem Wandel
der Zeiten unterworfen. Früher trafen die Eltern schon vor der
Geburt der Kinder Absprachen über eine spätere Heirat. Diese
Absprachen fanden oft aus sozialen und wirtschaftlichen
Erwägungen statt und nahmen keine Rücksicht darauf, ob die Partner
sich liebten oder nicht. Eine Heirat außerhalb der Kasten war
ebenfalls nicht denkbar.
Abgesehen von den 10 % der Bevölkerung,
die einer höheren Kaste angehören und sich in dieser Frage noch
sehr traditionell verhalten, suchen sich, wie in Europa, die
jungen Erwachsenen in der Regel den Partner selber aus. Der
voreheliche Geschlechtsverkehr war früher ein Tabu. Heutzutage ist
der Grund dafür, dass die Heirat Hals über Kopf vorgenommen wird,
oftmals die Tatsache, dass die junge Frau schwanger ist.

Die Art und Weise, wie eine
Hochzeitszeremonie durchgeführt wird , ist regional
unterschiedlich. Auch ist es vom Geldbeutel der Betreffenden
abhängig, wie aufwendig die Zeremonie gestaltet wird. Überall
verbreitet ist jedoch, dass die Eltern im Beisein von Priestern und
Dorfoberen symbolisch einen Brautpreis aushandeln und ihr
Einverständnis zu der Verbindung geben. Die Frau zieht in das Haus
des Gatten und wird Mitglied in dessen Banjar (
Dorfeinheit ).
Das allerwichtigste Ereignis im Leben
der Einheimischen ist das Fest der Einäscherung, Ngaben. Einer
Verbrennung , die auf einem Platz am Friedhof in
Dorfnähe stattfindet , kann man als Tourist durchaus beiwohnen.
Besonders im letzten Drittel des Jahres
finden zahlreiche Verbrennungen statt. Den westlichen
Betrachter verwundert meist, dass die Zeremonie sehr farbenprächtig
und vor allem fröhlich ist. Aber es gibt auch allen Grund zur
Freude, denn die Balinesen glauben an die Wiedergeburt und sie
kommen ihrem Ziel, der Wiedervereinigung mit Gott, einen Schritt
näher.
Die Verbrennungszeremonie an sich kann
sehr unterschiedlich sein. Es kommt darauf an, wer wann, wo
und eventuell auch wie er gestorben ist. Ganz allgemein kann
man jedoch sagen, dass man Tiersarkophage (unterschiedlich nach
Kastenzugehörigkeit ) und Verbrennungstürme herstellt. Ein
Brahmane ( Oberpriester ) leitet die Zeremonie. Vom Gehöft
des/der Verstorbenen wird der Verbrennungsturm unter Drehungen im
Zickzackkurs ( damit die Seele den Weg nicht mehr zurück finden
kann ) mit viel Lärm zum Friedhof gebracht. Der Leichnam wird
anschließend im Sarkophag verbrannt. Die Aschen- und Knochenreste
der Leiche werden gesammelt, gewaschen, in ein weißes Tuch gelegt
und in einer Prozession zum Meer ( bzw. in einen zum Meer führenden
Fluss ) gebracht. Selbstverständlich nimmt die Vorbereitung dieser
Zeremonie viel Zeit in Anspruch und alle hilfreichen Hände des
Familienclans werden benötigt .
Da auch Ngaben eine kostspielige
Zeremonie ist, deren Durchführung Pflicht der Söhne ist, wartet
man manchmal, bis ein Reicher des Dorfes eine Verbrennung macht. Man
kann sich dann dieser Zeremonie ( bei geringeren Kosten ) anschließen. Die Einheimischen nennen das scherzhaft “Bus fahren”.
Es kommt nicht selten vor, dass Ehepaare, die keinen Nachwuchs
bekommen können, ein Kind adoptieren, damit der Kreislauf von
Geburt, Tod und Wiedergeburt nicht unterbrochen wird.
 

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